Kann man ohne Bauleiter bauen?

Redaktion: Daniel von Bau-Lex · Veröffentlicht am

Nein, ein Bauleiter ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die Landesbauordnungen verlangen für jedes genehmigungspflichtige Bauvorhaben die Benennung eines verantwortlichen Bauleiters.

Kurze Antwort

Nein – ein Bauleiter ist in allen Bundesländern gesetzlich Pflicht. Er muss in der Baubeginnsanzeige benannt werden. Beim Fertighaus übernimmt der Hersteller die Bauleitung, beim Bauträger der Bauträger.

Gesetzliche Pflicht in allen Bundesländern

Alle 16 Landesbauordnungen schreiben einen verantwortlichen Bauleiter vor. Er muss fachlich qualifiziert sein (Architekt, Bauingenieur oder gleichwertig) und wird in der Baubeginnsanzeige namentlich benannt. Das Bauen ohne benannten Bauleiter ist ein Verstoß gegen die Bauordnung und kann zu Bußgeldern und Baustopp führen.

Wer übernimmt die Bauleitung?

Beim Massivhaus: Ihr Architekt (Leistungsphase 8 HOAI) oder ein beauftragter Bauleiter. Beim Fertighaus: Der Bauleiter des Fertighaus-Herstellers. Beim Bauträger: Der Bauleiter des Bauträgers. Beim Generalunternehmer: Der Bauleiter des GU. Wichtig: Der Bauleiter des Bauunternehmens vertritt dessen Interessen. Sie sollten zusätzlich einen eigenen Bauüberwacher engagieren.

Risiken ohne professionelle Bauüberwachung

Statistik: Bei Neubauten ohne unabhängige Bauüberwachung werden durchschnittlich Mängel im Wert von 15.000–30.000 € nicht erkannt. Häufige Mängel: Fehlerhafte Abdichtungen, mangelhafte Dampfsperren, unzureichende Wärmedämmung, falsche Bewehrung, fehlerhafte Anschlüsse. Diese Mängel werden erst Jahre später sichtbar und die Gewährleistung ist dann oft abgelaufen.

Eigene Bauüberwachung als Ergänzung

Auch wenn der Bauunternehmer einen Bauleiter stellt, sollten Sie als Bauherr einen eigenen Bauüberwacher engagieren: Unabhängiger Bausachverständiger: 3.000–6.000 € für 5–8 Baustellenbesuche. Architekt (LP 8): 8.000–15.000 € für vollständige Bauüberwachung. TÜV/Dekra baubegleitende Qualitätskontrolle: 3.000–5.000 €. Die Investition amortisiert sich fast immer durch vermiedene Mängelbeseitigungskosten.

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