Baurecht

Was ist das Kenntnisgabeverfahren?

Redaktion: Daniel von Bau-Lex · Veröffentlicht am

Definition

Das Kenntnisgabeverfahren ist ein Verfahren nach der Landesbauordnung Baden-Württemberg, bei dem ein plangerechtes Vorhaben der Baurechtsbehörde nur zur Kenntnis gegeben wird, statt eine Baugenehmigung zu beantragen.

Einfache Erklärung

Voraussetzung ist regelmäßig, dass das Vorhaben im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegt, dessen Festsetzungen vollständig einhält, die Erschließung gesichert ist und kein Sonderbau vorliegt. Die vollständigen Bauvorlagen werden eingereicht; nach Ablauf der gesetzlichen Wartefrist darf mit dem Bau begonnen werden. Es ergeht kein Genehmigungsbescheid – die Verantwortung für die Einhaltung aller Vorschriften bleibt bei Bauherrschaft und Entwurfsverfasser.

Beispiel aus der Praxis

Ein Bauherr in Baden-Württemberg baut ein Einfamilienhaus exakt innerhalb der Baugrenzen, mit zulässiger GRZ und festgesetzter Dachform. Sein Entwurfsverfasser wählt das Kenntnisgabeverfahren; nach Einreichung und Ablauf der Frist kann gebaut werden – ohne behördliche Prüfung des Entwurfs.

Typische Fehler

Das Verfahren trotz kleiner Abweichung vom Bebauungsplan wählen. Schon eine überschrittene Baugrenze oder eine abweichende Dachneigung macht eine Befreiung und damit ein Genehmigungsverfahren nötig. Ebenfalls unterschätzt: Es findet keine Prüfung statt, Fehler fallen erst später auf.

Kosten

Die Gebühren liegen deutlich unter denen einer Baugenehmigung. Kosten für Bauvorlagen, Statik, Vermessung und Nachweise entstehen jedoch in gleichem Umfang.

Häufige Fragen

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